Die Direct Line KFZ-Versicherung | Ein konkretes Rechenbeispiel mit dem Angebotsrechner überzeugte uns nicht
“Wir wollen Ihren Zweiten” – so wirbt der KFZ-Direktversicherer Direct Line um Neukunden. Die Autoversicherung verspricht günstige Beiträge und die gleiche Schadenfreiheitsklasse (SF-Klasse) des Zweitwagens wie für das Erstauto. Das lockt in der Tat viele Interessenten auf die Homepage der DirectLine KFZ-Versicherung, wo man von einer recht aufgeräumten Website begrüßt wird. Die kesse Behauptung der “Service-Stoppuhr” frohlockt: in nur 4 Minuten hätten Kunden im Durchschnitt ein persönliches Angebot vom Direct Line Angebotsrechner für Autoversicherungen.
Wenn man sich die Details zu dieser Behauptung anschaut, dann erkennt man aktuell sogar einen positiven Trend – scheinbar das Ergebnis kontinuierlicher Optimierungsbemühungen. Während die durchschnittliche Zeit bis zu einem Angebot im Februar bis heute laut Anbieterangaben nur 4:01 min war, lag dieser Wert im Januar noch bei 4:09 min und im Dezember des Vorjahres bei 4:16 min. Mit ähnlichen “Bestleistungen” wirbt die Direct Line Autoversicherung in ihren Statistiken zur Erreichbarkeit (aktuell 0:31 min, bis sich ein Mitarbeiter der Versicherung meldet – ohne Warteschleife und Bandansagen) und Abwicklung eines Schadenfalls (11-15 Tage durchschnittlich in den letzten drei Monaten). – Das klingt alles erst einmal ganz gut, und schon die allein der Mut, die eigenen Servicekennzahlen dem Kunden zur Begrüßung transparent zu machen, deutet darauf hin, dass man sehr um einen zügigen Service bemüht ist. Das ist begrüßenswert, wobei natürlich auch schlechter Service schnell erledigt sein kannMöchte man dann bei der Direct Line tatsächlich ein Angebot für eine Autversicherung erhalten, beginnt der Prozess mit einer Entscheidung zwischen drei Möglichkeiten: Möchte man den Versicherungsbeitrag für eine KFZ-Versicherung bei der DirectLine Versicherung für sein jetziges Auto berechnen? Möchte man die Direct Line Auto-Versicherung für ein KFZ abschließen, das man gerade erwerben will? Oder soll eine erstmalige Autoversicherung auf den Namen des Interessenten abgeschlossen werden (Fahranfänger, erstes eigenes Auto)? Wir wählen im Test die erste Option “für Ihr jetziges Auto”.
Nun muss gewählt werden, ob die Direct Line das einzige Fahrzeug versichern soll, oder ob es sich um ein Zweitfahrzeug handelt, d.h. man hätten noch ein anderes Auto oder auch Motorrad angemeldet. Hierbei wird schon jetzt mit Bezug auf die omnipräsente entsprechende Werbung der Direct Line darauf hingewiesen, dass man bei der Assekuranz das Zweitfahrzeug gemäß der Versicherungsbedingungen im günstigsten Fall zum gleichen Prozentsatz wie das Erstfahrzeug versichern könne (und dies auch gelte, wenn das Erstfahrzeugi nicht bei der Direct Line Autoversicherung versichert ist). Es erfolgt dafür aber auch der Hinweis, dass dabei alle Nutzer und der Versicherungsnehmer des Fahrzeugs mindestens 24 Jahre alt sein muss/müssen. – Im Test möchten wir ein Vergleichsangebot für das bestehende Erstfahrzeug erhalten und wählen “Das Auto ist Ihr einziges Fahrzeug”.
Nun gilt es, detaillierte Angaben zum Auto zu machen: Wir geben das Jahr der Erstzulassung ein (2008), das Jahr des Autoerwerbs (2009), die Herstellerschlüsselnummer, die Typschlüsselnummer (beides aus dem Fahrzeugschein) und den gewünschten Versicherungsbeginn (01.01.2011, vorher werden wir die laufende Versicherung wohl nicht los…). Ein Klick auf “Weiter” – und wir erhalten leider einen Fehler, dass der Versicherungsbeginn zu weit in der Zukunft läge. Hmm. Nunja, um wenigstens eine Beitragsinformation zu erhalten, starten wir die Versicherung fiktiverweise am 01.07.2010. – Leider geht auch das nicht. Also 01.04.2010.
Nun geht es zum Glück erst einmal weiter. Der Angebotsrechner erkennt korrekt den Typ des Autos. Im Test handelt es sich um BMW 330d DPF Cabrio. Wir tragen als Nutzungsart für das Fahrzeug statt “privat” die Option “privat und geschäftlich” ein, gefolgt von einer jährlichen Kilometerleistung in Höhe von 25.000 km. Das Ortskennzeichen legen wir mit B auf die deutsche Hauptstadt, und müssen zugeben: “Das Auto wird überwiegend abgestellt: auf der Straße”.
Im nächsten Schritt geben wir Daten zum Versicherungsnehmer ein: Geschlecht, Geburtsdatum, seit wann wir den Führerschein besitzen. Wir wählen eine berufliche Tätigkeit aus – und amüsieren uns über den Listenfeldeintrag ‘Hausmann/Privatier’
, tragen den Familienstand ein, negieren die Aussage nach minderjährigen Kindern im Haushalt und geben die PLZ unseres Hauptwohnsitzes ein. Auf die Frage “Haftpflichtschäden nach dem 24.02.2009 antworten wir wahrheitsgemäß mit “keiner” und geben als bisherige Autoversicherung “andere inländische Versicherung” an.
Die Frage “Auf wen ist das Auto zugelassen” beantworten wir statt “Versicherungsnehmer” mit “Firma”, geben anschließend die Postleitzahl des Firmensitzes an und wählen die Aussage “Hauptnutzer des Autos: Ich”. Die Frage nach Nutzern jünger als 24 negieren wir.
Nun soll der vorletzte Schritt des Direct Line Rechners kommen: Wir geben die Schadenfreiheitsklasse der Haftpflicht an mit “SF 6 (55%)” und wählen unter ‘Kasko’ die Vollkasko mit einer bisherigen Schadenfreiheitsklasse von “SF 6 (60%)”. Da wir keine Werkstattbindung wollen noch bisher hätten, verneinen wir das Angebot, 10% zu sparen mit dem Sondertarif “Vollkasko Clever”.
Jetzt kommt die erste Aussage zur Prämie: 2.204 EUR soll die Direct Line Autoversicherung für das Beispielfahrzeug mit den gewählten Daten im Jahr kosten. Zum Vergleich: das KFZ ist aktuell bei der HUK-Coburg versichert zu einem Jahresbeitrag von 1.474 EUR.
Wir stellen jedoch fest, dass wir die Selbstbeteiligung bei der Direct Line noch anpassen müssen: wir wählen wie bei der bisherigen Autoversicherung nun auch für die Direct Line eine Selbstbeteiligung in der Kasko von 1.000 EUR für die Vollkasko und 500 EUR für die Teilkasko. Dies reduziert den angezeigten Beitrag auf 1.864 EUR, was immer noch ein ganzes Stück teurer ist als unser HUK-Tarif.
Alles in allem überzeugt uns das nicht, die Versicherung zu wechseln, zumal die verschiedenen Optionen, die die Direct Line für die KFZ-Versicherung noch bietet, noch nicht einmal ausgewählt und eingepreist sind. Da wären z.B. der Rabattschutz, ein Schutzbrief (beides ist in der aktuellen und günstigeren HUK-Versicherung schon enthalten) oder der angebotene Familienschutz “Kind & Kegel” sowie die abgewählte “Vollkasko Clever”.
Immerhin, der Rechner ist gut aufgebaut. Im konkreten Test, wo wir auf der Suche nach einer günstigeren Autoversicherung ein konkretes Beispiel durchgerechnet haben, überzeugte die Direct Line preislich mit dem Angebot jedoch nicht.
